Lebensraum für die Äsche

Mit Spannung erwartet der Kreisfischereiverein Wasserburg die erste Laichsaison nach der Umgestaltung der Laichgebiete an der Kapuzinerinsel im Inn.


Immer von Innwasser durchströmt - auch bei Niedrigwasser wie auf unserem Winterfoto - und mit vielen Ruhezonen ausgestattet ist die Kapuzinerlacke. 
Foto heck

 

Wasserburg - "Die Äsche ist sehr produktiv" und bringt "das Wasser zur Laichzeit förmlich zum Kochen." So ist in einer Info-Broschüre zu lesen. Und genau diese "Hitze", dieses Treiben, will der Kreisfischereiverein Wasserburg auch wieder im Inn sehen.

Die Zeit um den Josefitag, 19. März, wird von den Fischern mit Spannung erwartet. Rund um dieses Datum, das schon seit Urzeiten als Beginn der Laichsaison gilt, zeigt sich, ob die Umstrukturierung der Laichplätze rund um die Kapuzinerinsel erfolgreich verlaufen ist und erste Verbesserungen zu verzeichnen sind.

Turbinenbau gab Anstoß

Nur mehr ältere Fische habe man in der Vergangenheit im Fluss entdeckt, so die Vorsitzenden des Kreisfischereivereins Wasserburg, Franz Göpfert und Roland Edl. Zusätzlich sei das generelle Problem im Inn, dass "es kein Geschiebe mehr gibt und somit die Laichplätze immer weniger werden", erklären die beiden. Es habe sich in den vergangenen Jahren auch gezeigt, dass es nicht möglich sei, die Äsche allein durch Besatz in diesem Fluss anzusiedeln: "Ohne eigene Fortpflanzung hat diese gefährdete Art, die nicht gefischt werden darf, keine Zukunft", so Göpfert. Wegen des seit 1938 durch die Errichtung der Staustufen beschränkten Lebensraumes sei es den Fischen aber immer weniger möglich geworden, zu laichen.

Eine Chance boten nun Auflagen im Zuge des Neubaus einer Turbine am Wasserburger Innkraftwerk: Der Bereich um die Kapuzinerinsel sollte als ökologischer Ausgleich aufgewertet werden. Die Wasserburger Fischer erarbeiteten zusammen mit Isaria München dafür ein Konzept, das von den Fachbehörden genehmigt wurde.

Der mit den Jahren steinhart gewordene Kiesgrund des Inns, der wegen des fehlenden Geschiebes nicht mehr aufgelockert wird, musste zunächst einmal von Baggern auf der Nordseite der Kapuzinerinsel aufgelockert und somit zugänglich für laichende Fische gemacht werden. Diese Prozedur wird künftig jedes Frühjahr wiederholt.

Außerdem ist es für das erfolgreiche Aufkommen von Jungfischen elementar, ihnen auch sogenannte Ruhigwasserzonen zu bieten, da nur hier die ganz jungen kleinen Tiere überleben und sich von Plankton ernähren können, ohne von der Strömung des Flusses mitgerissen zu werden. Dafür wurden an der Südseite der Kapuzinerinsel entsprechende Buchten angelegt. Gleichzeitig wurde sichergestellt, dass der gesamte Bereich der sogenannten Kapuzinerlacke auch bei Niedrigwasser durchströmt wird.

Nun hoffen die Fischer, dass die Fische diesen ursprünglichen Laichplatz wieder annehmen und neben der Äsche als Leitfisch später auch Huchen und Nasen zum Ablaichen an die Kiesbänke kommen.

Ursprünglicher Laichplatz

Das Projekt stieß bereits in der Fachwelt auf Aufmerksamkeit: Die Fischbiologen der TU Weihenstephan untersuchten das Unternehmen und die neuen Gegebenheiten an den Laichstellen. "Das Fazit war sehr positiv, das Ganze ist sinnvoll", fassen die Fischer-Vorsitzenden zusammen.


Sie soll hier ablaichen: Die Äsche, früher ein Massenfisch.

So blicken sie nun auch zuversichtlich in die nun kommende erste Laichsaison, auch wenn erst in vier bis fünf Jahren mit wirklichen Erfolgen zu rechnen sei. Wenn es an der Kapuzinerinsel so läuft wie in anderen Bereichen, wäre man durchaus zufrieden: Schon sei einigen Jahren wird auf Höhe der Realschule gebaggert, inzwischen haben die Fischer bei Kontrollfängen mehrjährige Äschen mit 25 bis 38 Zentimetern entdeckt, "eigene Erstlaicher", freut sich Roland Edl.

So ist der Vorstand der Wasserburger Fischer auch insgesamt mit dem Verlauf des Projektes recht zufrieden. Neben der direkten Kostenübernahme der Umbauten gab es auch ein Entgegenkommen bei der Pacht: Rund 1000 Euro, die jedes Jahr für das Baggern anfallen, wurden dem Kreisfischereiverein und der Isaria München von der Pachtgebühr abgezogen.

Ein Wunsch ist allerdings noch offen: Probleme gebe es noch beim Umbau der Fischtreppe, die wichtig für eine Vermehrung von gefährdeten Fischarten wäre. Diese können die Staustufen nämlich nicht mehr überwinden und damit ihren Zug zum Laichen flussaufwärts unternehmen, so wie sie es in früheren Jahrhunderten gewohnt waren. Mat

Auszug aus der Wasserburger Zeitung vom 17.3.2010